Mädchenbeschneidung: ein Kommentar

Die Mädchenbeschneidung ist hier nicht das eigentliche Problem.

Sie gilt hier nur als Brandtreiber für ein populistisches Narrativ. Das Narrativ, den Westen und seine Werte nach vorne zu stellen, sie hochzuheben und über alle anderen Kulturen zu stellen. Dabei vergisst er selbst, was in seinem eigenen Garten geschah und geschieht. Selbst noch im 20. Jahrhundert wurden hier in Deutschland, Großbritannien und Frankreich noch viel schlimmere Intensionen an den Frauen als rechtmäßig und richtig angesehen. So wurden die Frauen nicht nur mit einer Rasierklinge beschnitten, was als harmlos galt. Sie wurden durch Ätzung beschnitten. Begründet wurde dies mir der weiblichen Masturbation und der Kleptomanie, welche bei unbeschnittenen Frauen häufiger verbreitet sei. Hauptgrund damals als auch heute bleibt aber das Patriarchat und die Tabuisierung der Sexualität.

So ist es mit diesem Hintergrund problematisch, sich als Weltpolizei hinzustellen und das vermeidlich »schlechte« Verhalten der anderen »richten« zu wollen, nehme man bei Seiten, das es sich nicht um das Richten handelt, sondern um die Indoktrination westlicher und kapitalistischer Werte. Auch ist es schlichtweg unmöglich, friedlich die Beschneidung der jährlich 19 Millionen Opfer, davon 500.000 aus Europa, zu stoppen. Dies wäre nur durch einen militärischen Eingriff möglich. Wollen Sie wirklich Panzer in das kleine Dorf von Doutlia, Guinea schicken? Ist ein militärischer Eingriff im Sinne der Opfer? Sind die »Kollateralschaden« verhältnismäßig. Legen wir aber mal das Militärische beiseite.

»Auch gewaltfreie Eingriffe sind nicht automatisch unproblematisch. In der Formulierung der Frage ist von «Belehren» die Rede. Das unterstellt ein hierarchisches Verhältnis: Hier die Schüler, da die Lehrerin. Sich gegenüber anderen Kulturen als überlegen zu sehen und zu gebärden, wäre aber sowohl respektlos als auch wenig effektiv. Das Verurteilen einer bestimmten Praktik sollte nicht in ein generelles mora-lisches Überlegenheitsgefühl gegenüber anderen Kulturen kippen. Auch die Betonung der Fremdheit anderer Kulturen scheint mir in diesem Zusammenhang nicht hilfreich. Ein Dialog über moralische Fra-gen ist vielmehr auf die Betonung des Gemeinsamen angewiesen. Schliesslich ist es gerade das Ge-meinsame — die universelle Geltung von Menschenrechten — das einen überhaupt dazu veranlasst, Angehörige anderer Kulturkreise zu kritisieren.«

Literaturverzeichnis

  1. Soll man belehrend in fr emde Kulturkreise eingreifen, deren Praktiken man ablehnt (Beispiel Mädchenbeschneidung)? Available online: https://www.philosophie.ch/beitraege/grosse-fragen/soll-man-belehrend-in-fremde-kulturkreise-eingreifen-deren-praktiken-man-ablehnt-beispiel-maedchenbeschneidung# (accessed on Sep 23, 2021).
  2. Kuring, D. K. (2006). Die Praktik der weiblichen Genitalverstümmelung. Berührungspunkte und politische Verantwortung in Deutschland?! In T. E. Engartner, D. K. Diana Kuring, T. T. Thirtsten Teubl & Rosa-Luxemburg-Stiftung (Hrsg.), Die Transformation des Politischen — Analysen, Deutungen, Perspektiven (Siebentes und Achtes DoktorandIn-nensemiar Aufl., Bd. 66, S. 51–69). Rosa-Luxemburg-Stiftung. https://www.rosalux.de/fileadmin/rls_uploads/pdfs/Manuskripte/Manuskripte_66.pdf

Anhang

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